Konsequenzen
"Makaber: Nur gut vier Monate nach der umstrittenen Verkehrssicherungsmaßnahme ist genau das eingetreten, was von Amts wegen verhindert werden sollte." (OTZ, Titelseite vom Mittwoch 26. Juli 2006)
Besorgte Bürger der umliegenden Gemeinden, Gutachter und Naturschützer hatten nach den völlig überzogenen Fällungsmaßnahmen am Weißen Berg davor gewarnt, die Konsequenzen gefürchtet und schlimme Folgen prognostiziert.
Bereits nach kurzer Zeit hatten sich die Befürchtungen bewahrheitet:
Während eines normalen Sommergewitters mit mittelstarken Windböen stürzten am 23. Juli 2006 zwei starke Buchen und eine Eiche, die man nach den Fällungen stehengelassen hatte, vom Hang des Weißen Berges, teilweise quer über die Straße. Die Straße war voll gesperrt, die Feuerwehr mußte ausrücken, um in stundenlanger Arbeit das Hindernis zu beseitigen. Mehrtägige Arbeiten der Straßenmeisterei waren nötig, um den völlig instabil gewordenen Hang wieder einigermaßen zu befestigen und die Straße wieder in einen halbwegs normalen Zustand zu versetzen.
Man kann von Glück reden, daß dabei keine Menschen zu Schaden kamen!
Der Windbruch am Weißen Berg war jedoch kein unabwendbares Ereignis, kein Schicksal und fiel nicht einfach so vom Himmel. Der Schaden, der nun sogar mit erheblicher Gefahr für Leib und Leben einherging, ist die logische Konsequenz des inkompetenten, gleichgültigen und rabiaten Vorgehens der Forstbehörde bei einer Verkehrssicherungsmaßnahme, der 43 starke Bäume zum Opfer fielen, obwohl nur minimal 5 bis maximal 10 Bäume hätten gefällt werden müssen.
Dieser in der Öffentlichkeit zu Recht vehement kritisierte Eingriff
- hat ein über viele Jahrzehnte in sich stabiles Emsemble aus Hang, Fels und Bäumen völlig zerstört
- hat den notwendigen Windschutz für die Bergkuppe fast vollständig beseitigt
- hat die Bodenkrume beschädigt und der Austrocknung ausgeliefert
- begünstigt die erhebliche Erosion von Boden und Felshang durch Wind, Regen, Frost
- fördert das Abrutschen des Steilhanges und das Umstürzen weiterer Bäume mit erheblichen Gefahren für Straßenverkehr und Menschen
Statt die eigenen Fehler zu überdenken und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, haben die Forstbehörden in den vergangenen Monaten mit Überheblichkeit, Kompetenzprahlerei und halbherzigen Zugeständnissen versucht, die Negativkritik der öffentlichen Meinung vom Tisch zu bekommen. In schriftlichen Verlautbarungen und Anschreiben hat man immer wieder Rechtmäßigkeit und Richtigkeit des Vorgehens betont, Fehler ausgeschlossen und die eigene Verantwortung für die Vekehrssicherung betont. Der nun aufgetretene Windbruch beim erstbesten Gewitter straft dieses Behörden-Blabla Lügen und schafft erneut Tatsachen, die man nicht einfach so unter den Teppich kehren kann.
Es stellt sich die Frage, ob das Forstamt Jena nun genauso gern die eigene Verantwortung betont hätte, wenn die umstürzenden Bäume jemanden erschlagen hätten. Dann wäre der an sich schon ungeheuerliche Vorgang vermutlich dort gelandet, wo er aufgrund der offensichtlichen Verletzung einschlägig bekannter Gesetze eigentlich schon lange hingehört: vor Gericht.
Naturschutz ist keine persönliche Ermessensfrage einzelner Behörden, Beamten oder Staatsdiener, sondern Gesetz (niedergelegt z.B. im Bundesnaturschutzgesetz und Thüringer Naturschutzgesetz). Jeder normale Bürger, der gesetzliche Regelungen verletzt, muß mit entsprechender Bestrafung rechnen. Wie kann es sein, daß Behörden und Beamte, die Gesetze verletzen oder ignorieren und deren Verhalten die oben beschriebenen Folgen hat, nicht zur Verantwortung gezogen werden und sich mit ein paar netten Briefen, die nur so vor Falschaussagen strotzen, aus der Affäre ziehen können?
Wer sich den Weißen Berg in seinem jetzigen traurigen Zustand ansieht, wird zustimmen, daß dies erst der Anfang war. Der Felshang, der schützenden und stabilisierenden Bäume beraubt, ist der Erosion hoffnungslos ausgeliefert. Weitere Schäden sind vorprogrammiert, weitere Gefahren auch ... Durch den sinnlosen Eingriff des Forstamtes hat man den Verkehr nicht gesichert, sondern ein unkalkulierbares Risiko erst geschaffen, von der Zerstörung eines liebenswerten Stückchens Natur unserer Heimat einmal ganz abgesehen.
Darüber kann auch eine schnell hingezimmerte Sitzgruppe auf dem Berg (inmitten des abgeholzten Waldes!) nicht hinwegtäuschen.





