Verkehrssicherung?

"Verkehrssicherungsmaßnahme" Weisser Berg

Der „Weisse Berg“ ist seit jeher ein bekannter und prägender Landschaftsbestandteil des Saale-Holzland-Kreises. Mit 375 m ist er die höchste Erhebung des Holzlandes und des Altkreises Stadtroda. Seine felsige Sandstein-Kuppe war bisher mit eindrucksvollen Buchen und Eichen bewachsen, die mit ihrem Alter von bis zu 150 Jahren eine imposante und schützenswerte Baumgruppe bildeten. Diese Spitze des „Weissen Berges“ ist zudem aus der ganzen Umgegend weithin sichtbar und in vielen touristischen Empfehlungen und regionalen Führern als besonderes Wanderziel und Aussichtspunkt hervorgehoben. Direkt über den Berg führt die Straße von Jena/Schöngleina nach Hermsdorf/Bad Klosterlausnitz. Die südliche Hangseite des Berges gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Zeitzgrund“, das auf dieser Seite direkt bis an die Straße heranreicht. Das „LSG Zeitzgrund“ gehört ebenfalls zu den landschaftlichen Besonderheiten und touristischen Sehenswürdigkeiten des Saale-Holzland-Kreises. Unmittelbar zum „Weissen Berg“ und an ihm vorbei führen einige Wanderwege, nicht zuletzt ein regional bedeutsamer Naturlehrpfad. Da sich um den „Weissen Berg“ außerdem historisch alte und bekannte Sagen des Saale-Holzland-Kreises ranken, ist er vielen, besonders älteren Einwohnern der gesamten Region bekannt und ans Herz gewachsen.
Auf Betreiben des Thüringer Forstamtes Jena wurden ab 03. März 2006 umfangreiche Baumfällarbeiten auf dem „Weissen Berg“ begonnen. In einer erst unmittelbar zum Zeitpunkt der bereits begonnenen Arbeiten veröffentlichten Pressemeldung wurde diese Maßnahme mit der Ausübung der Verkehrssicherungspflicht begründet. Die kurze und lapidare Meldung wies lediglich auf bevorstehende Verkehrseinschränkungen in diesem Straßenabschnitt hin. Während die Maßnahme anlief, war in den folgenden Tagen ein ständig zunehmender Protest aus der Bevölkerung zu verzeichnen. Viele Bürger wandten sich mit Anrufen, Beschwerden und Eingaben an das Forstamt Jena, das Umweltamt SHK, an die Presse und das Fernsehen. Dieser Bürgerprotest fand leider kein Gehör und so wurde im Zuge der Maßnahme die Spitze des Berges so gut wie komplett abgeholzt, insbesondere alle alten und schützenswerten Bäume komplett gefällt und damit ein liebenswertes Stück Heimat zerstört.

Ablauf

Unmittelbar vor Beginn der geplanten Verkehrssicherungsmaßnahme fand eine Begehung der Örtlichkeit statt. Bei dieser Begehung waren Vertreter des Forstamtes Jena, ein Mitglied des Naturschutzbeirates und Herr Schirmer von der Unteren Naturschutzbehörde, außerdem Vertreter der ansässigen Agrargenossenschaft anwesend. Der Bürgermeister der benachbarten Gemeinde Bobeck, Herr Körner, kam zufällig dazu und äußerte sofort sein Unverständnis über die fehlende Information. Frau Serfling als Vertreterin des Naturschutzbeirates wurde offenbar mit falschen Fakten den Zustand der Bäume betreffend konfrontiert. Nachdem sie Zweifel am Umfang der Maßnahme geäußert hatte, wurde sie offen unter Druck gesetzt, doch persönlich die Haftung für eventuelle Risiken zu übernehmen oder zuzustimmen.
In den folgenden Tagen wurden im Rekordtempo (in der Hälfte der geplanten Zeit) 43 der mächtigen Baumriesen komplett gefällt. Über die Zahl 43 hinaus fielen mehrere junge Buchen und Eichen der Motorsäge zum Opfer, weitere junge Bäume waren als Fällschaden zu verzeichnen. Mit der Abholzung betraut waren eine Spezialeinheit des Forstministeriums aus Schmalkalden und die Firma König aus Stadtroda. Die Aufteilung auf zwei ausführende Firmen war vermutlich der Tatsache geschuldet, daß ein Teil der Liegenschaft dem Land, ein anderer Teil dem Bund als Eigentümer zuzuordnen ist. Auffällig war, daß auf der „Bundesseite“ mehrere junge Buchen stehen blieben, während auf der „Landesseite“ ein Kahlschlag erfolgte.
Das Holz der gefällten Bäume wurde hauptsächlich als Brennholz verkauft. Ein Teil der Bäume (die großen Eichen?) wurde abtransportiert und vermutlich anderweitig verkauft.

Verantwortliche und Behörden

Nach den zugänglichen oder veröffentlichten Informationen wurde die Verkehrssicherungsmaßnahme am „Weißen Berg“ vom Thüringer Forstamt Jena geplant, beauftragt und durchgeführt. Als Stellvertretende Forstamtsleiterin ist offenbar Frau Ute Butzert zuständig gewesen. Der Forstamtsleiter Hildbrecht Böttcher äußerte sich erst am 2. Mai im Zusammenhang mit einer Gemeinderatssitzung in Bad Klosterlausnitz. Vorher trat er nicht in Erscheinung und reagierte auch im Zuge der an das Forstamt herangetragenen Kritik zu den Vorgängen in seiner Behörde nicht.

Als zuständiger Revierförster begutachtete Herr Henry Kaiser aus Bobeck die Bäume und zeichnete sie zur Fällung an.

Bei einer weiteren Begehung trat Herr Jürgen Holtz, Inspektionsleiter Ost des Thüringer Forstministeriums in Erscheinung. Herr Holtz übernahm in Folge die öffentliche Argumentation und Stellungnahme der Forstbehörde und äußerte sich in Presseverlautbarungen zu den Vorwürfen der Bürger. Bei diesen Stellungnahmen beharrte er auf der Richtigkeit der Maßnahme und drohte Kritik äußernden Bürgern mehrmalig öffentlich Strafanzeige wegen „übler Nachrede“ und „Verleumdung“ an. Die Arroganz, Uneinsichtigkeit, fehlende Sensibilität und Äußerungen über die "Laien", die ja sowieso keine Ahnung haben, brachten das Forstamt so in Verruf, daß offenbar einzelne Bürger nicht vor Drohungen und Beschimpfungen zurückschreckten, um ihren Unmut und ihren ohnmächtigen Zorn zu äußern. Die Bürgerinitiative distanzierte sich von diesen hochkochenden Emotionen. Doch zeigte sich daran eines ganz deutlich: Das Maß war voll!

Herr Klaus Schirmer als Leiter des Umweltamtes SHK äußerte sich als nicht zuständig. Diese merkwürdige Einstellung darf bezweifelt werden, inbesondere weil zumindest eine Hälfte des betroffenen Areals Bestandteil eines Landschaftsschutzgebietes ist. Telefonische und schriftliche Eingaben und Anfragen an das Umweltamt wurden meist damit beantwortet, daß man die Maßnahme mit den Argumenten des Forstamtes rechtfertigte oder Hilflosigkeit äußerte.

Eine Information an die Obere Naturschutzbehörde fand unseres Wissens nicht statt.

Der Naturschutzbeirat des Kreises veröffentlichte nach eingehender Beurteilung der Sachlage und der Auswertung eines von unabhängiger Seite erstellten Gutachtens eine Presseverlautbarung, in der deutliche Kritik am Vorgehen des Forstamtes geäußert wurde. In diesem Zusammenhang wurde auf in der jüngsten Vergangenheit in ähnlicher Art und Weise durchgezogene Abholzungsmaßnahmen aufmerksam gemacht, insbesondere auf Abholzungen im Rotehofbachtal (FFH-Schutzgebiet) und im Isserstedter Holz (Naturschutzgebiet). Es bleibt außerdem hinzuzufügen, daß kurz nach Abschluß der Arbeiten am „Weissen Berg“ als weitere Verkehrssicherungsmaßnahme Einschläge von mächtigen Buchen im benachbarten Waldecker Schloßgrund (Naturschutzgebiet und Totalreservat!) erfolgten.

Gutachten

Sowohl von Naturschutzverbänden als auch von politischer Seite wurde die Notwendigkeit der Erstellung eines oder mehrerer unabhängiger Gutachten betont, um berechtigte Kritik auch mit entsprechend kompetentem Sachverstand zu untermauern.
Daraufhin wurden von verschiedenen Seiten zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Ein Gutachten wurde von Herrn WolframVoigt von der Firma „Gärten & Bäume“ Willschütz erstellt, ein weiteres vom Vereidigten Forstsachverständigen Dr. Seidel aus Jena.

Im Gutachten von Herrn Voigt kommt dieser zum Ergebnis, daß lediglich 5 der 43 Bäume tatsächlich hätten gefällt werden müssen. Es wurde zudem deutlich darauf hin gewiesen, daß das an den Bäumen befindliche Totholz zwar ein Risiko, keineswegs aber ein Grund zur kompletten Fällung der Bäume, darstellte. Die Maßnahme wird daher als das beurteilt was sie wirklich war – als unnötig überzogen.

Das Gutachten von Herrn Voigt kann von ihm selbst abgefordert werden (Wolfram Voigt, Willschütz Nr. 7, 07619 Schkölen, Tel.: 036694-20661).

Die Ergebnisse des Gutachtens von Herrn Dr. Seidel sind beim Vorsitzenden des Naturschutzvereins Stadtroda, Herrn Dr. Grützmann, (Tel. 036428-41852) abrufbar.

Keine der offiziellen Stellen, vom Forstamt ganz zu schweigen, hat diese Gutachten überhaupt zur Kenntnis genommen! Auch der Petitionsausschuß des Thüringer Landtages forderte die Gutachten nicht an. An unabhängigen und fachlich einwandfreien Informationen waren die entscheidenden Leute leider NICHT INTERESSIERT! Viel wichtiger war es, auf der eigenen Unfehlbarkeit zu beharren ...

 


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